Welchen Sonnenkompass nutzte die alte Maya-Kultur? Die alte Hochkultur der Maya in Mittelamerika ist für ihre Kenntnisse auf dem Gebiet der Sonnenastronomie bekannt. Sie bauten Tempelanlagen, die ihnen dabei halfen, ihren Kalender weiterzuentwickeln und den Lauf der Zeit zu messen. Neben der mythologischen Bedeutung hatte ihr Kalender ganz praktischen Sinn, denn er schuf den Zeitplan für landwirtschaftliche Tätigkeiten wie säen und ernten.
Die Maya entwickelten ein Richtungsdiagramm, das Ähnlichkeiten mit unserem Kompass besitzt und auch heute immer noch gültig ist. Das Diagramm hat eine Achse, die von Ost nach West läuft. Aber anstelle der Nord- und Südrichtung zeigt der Maya-Kompass die Sonnenauf- und untergangsrichtung zu den Sonnenwenden an, wie die untere Grafik zeigt.

Abb. Richtungsdiagramm der Maya-Kultur für den jahreszeitlichen Verlauf der Sonnenauf- und untergangspunkte am Horizont.
Für einen Beobachter im Zentrum geht die Sonne je nach Jahreszeit an unterschiedlichen Horizontpunkten auf und unter. Zum Zeitpunkt der Tagundnachtgleichen (am 21.3. und 20.9.) beginnt die Sonne ihren Tageslauf exakt im Osten und endet ihn exakt im Westen. Für alle anderen Tage im Jahr verschieben sich Sonnenauf- und untergang zu anderen Horizontpunkten. Die Extremwerte werden an den Sonnenwenden erreicht. Der Winkel α beschreibt den Unterschied in der Sonnenaufgangsrichtung zwischen der Tagundnachtgleichen (am 21.3. und 20.9.) und einer Sonnenwende (am 21.6. bzw. 22.12.). Die gleiche Winkeldifferenz α besteht zwischen der Sonnenuntergangsrichtung am 21.3. (dem Frühlingspunkt) und 21.6. (der Sommersonnenwende). Diese Sonnenauf- und untergangsrichtungen finden sich in den Tempelanlagen der Maya wieder, wo sie besondere Sichtachsen bilden. So gibt es gewisse Statuen, die nur einmal im Jahr beleuchtet werden, nämlich nur zu den Morgen- bzw. Abendstunden des 21.6.
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